Die Sage vom Schenkelsberg

Vor lange langer Zeit stand ein Gasthaus am Fuße des Schenkelsbergs. Dort kehrten Fuhrleute ein, um sich von der anstrengenden Tagesreise auszuruhen. Sie saßen in der Gaststube beieinander, würfelten, erzählten und tranken Wein.

Der Wirt hatte eine schöne Tochter mit langen, lockigen Haaren, strahlenden Augen und einer wunderbaren Stimme. Um den Fuß trug sie ein Goldkettchen. Dieses Kettchen war ein Andenken an ihre Mutter, die schon lange tot war. Jeden Abend ging das Mädchen mit einem großen Krug über den dunklen Hof zum Weinkeller, der in einer Höhle des Berges lag. Stets hielt es in der einen Hand den großen Weinkrug, in der anderen Hand eine Öllampe zum Leuchten. Eines Abends nun, als das Mädchen wieder zum Weinkeller marschierte, blitzte der Eingang plötzlich hell auf. Mutig schritt die Wirtstochter auf den Eingang zu. Da erschien ein kleines hässliches Männlein. Es versprach dem Mädchen Gold und Edelsteine. Nur eine Bedingung stellte es: Jeden Abend sollte das Mädchen zur gleichen Zeit ein Lied für das Männchen singen. Die schöne Tochter des Wirtes willigte ein. So vergingen viele Wochen.

An einem Sonntag waren besonders viele Gäste gekommen und das Mädchen verspätete sich. Als es zum Weinkeller kam, blieb der Eingang dunkel, kein Männchen war zu sehen. Da stellte das Mädchen den Krug ab. Neugierig lief es in den Keller hinein. In diesem Augenblick blitzte und donnerte es. Ein ohrenbetäubender Lärm ließ die Gäste aufschrecken. Voller Angst rannten sie hinaus auf den Hof. Laut riefen sie den Namen des Mädchens, doch es antwortete nicht. Es blieb verschwunden.
Sie fanden nur noch den zerbrochenen Krug. Vor dem Eingang des Weinkellers lag ein riesiger Felsbrocken. Keiner konnte ihn bewegen.

Seit dieser Zeit umzieht eine goldene Kette den Fuß des Schenkelsberges. Nur ein Sonntagskind, das zwischen 11 und 12 Uhr geboren ist, kann diese Kette finden, sie öffnen und damit das schöne Mädchen erlösen.

Ein Beitrag der ehmaligen Klasse 4b, 1990/91